Die Hochwasserkatastrophe an Ahr und Erft im Sommer haben die Gefahr von Sommerhochwasser noch einmal deutlich gemacht. Landrat Jan Weckler (CDU) hat das Thema Hochwasserschutz auf die Tagesordnung der letzten Bürgermeisterdienstversammlung gesetzt. Fachleute aus Regierungspräsidium, Unterer Wasserbehörde und vom Katastrophenschutz des Wetteraukreises haben über Möglichkeiten und Grenzen des Hochwasserschutzes referiert.

Elisabeth Geselle, Dezernatsleiterin in der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium, beurteilte den Hochwasserschutz im Wetteraukreis als weitgehend sehr gut. „Talsperren und Pegel haben sich bisher grundsätzlich bewährt.“ Ein Problem sind Starkregenereignisse im Sommer, die plötzlich und räumlich sehr begrenzt auftreten. Dabei sei es auch für Meteorologen nicht vorhersehbar, wo die Wassermassen niedergehen. Die Häufungen solcher Wolkenbrüche im Sommer werden von vielen Experten als Hinweis auf den Klimawandel gewertet. Die Oberläufe der Flüsse und Bäche im Wetteraukreis sind durch die engen Täler ohnehin schwer zu prognostizieren. „Bei sommerlichen Starkregenereignissen sind solche Vorhersagen gar nicht zu treffen“, bestätigte auch Elisabeth Geselle.
Dabei gibt es im Einzugsgebiet der Nidda, das fast den ganzen Wetteraukreis umfasst, eine ganze Reihe von Hochwasserschutzeinrichtungen. Das sind in erster Linie die Niddatalsperre bei Schotten, aber auch die großen Hochwasserrückhaltebecken an Eichelbach und bei Büdingen-Düdelsheim. Zudem gibt es eine ganze Reihe von Pegeln, durch die rund um die Uhr die Wasserstände in den Bächen überwacht werden. Bei Überschreiten von bestimmten Höhen wird automatisch die Leitstelle und damit den Rettungs- und Katastrophenschutz informiert. Im Auftrag des Landes Hessen sind beim Regierungspräsidium Darmstadt mittlerweile eine Vielzahl von Gefahren- und Risikokarten nach EU-Richtlinie geschaffen worden, die die Auswirkungen von extremem Hochwasser, mittleren Hochwassern(100-jährliches Hochwasser), und Hochwasserereignisse, die etwa alle zehn Jahre vorkommen, aufzeigen.
Der Deutsche Wetterdienst gibt regelmäßig Wetterwarnungen heraus, die man sich durch verschiedene Warn-Apps aufs Handy laden kann, zum Beispiel KATWARN oder hessenWARN. Eine Hochwasserfrühwarnung mit genauen Daten für Landkreise oder noch kleinere Flächen sind allerdings fachlich nicht möglich. Das gilt sowohl für die Starkregenereignisse in den Sommerzeiten, aber auch für Hochwasserereignisse im Winter, die durch starken Regen und gleichzeitiger Schneeschmelze entstehen, wie etwa Anfang des Jahres in Büdingen geschehen.
Am Beispiel des Hochwassers in Büdingen zeigt sich, dass im steilen Gelände auch Vorwarnfunktionen durch Messeinrichtungen oberhalb ihre Grenzen haben. Der maximale Pegelstand in Wolferborn war quasi zeitgleich mit dem höchsten Wasserstand in Büdingen erreicht. Für die größeren Bäche lässt sich der weitere Hochwasserverlauf dann recht gut vorhersagen. Generell sei es wichtig die verschiedenen Hochwassermeldestufen auch richtig zu interpretieren. „Dann müssen die richtigen Schlüsse im Zweifel sofort gezogen werden, insbesondere dann, wenn die Pegel schnell steigen. Darauf muss man vorbereitet sein, in dem man sich rechtzeitig mit den Hochwassergefahren vor Ort auseinandersetzt“, so die Dezernatsleiterin im Regierungspräsidium Elisabeth Geselle
„Den Kommunen kommt eine wichtige Aufgabe beim Hochwasserschutz zu, schon bei der Bauleitplanung und bei der Gewässerunterhaltung“, sagt Thomas Buch, Leiter der Unteren Wasserbehörde, die in der Kreisverwaltung angesiedelt ist. Er bezeichnet die Erhaltung der Rückhalteräume und den konsequenten Schutz der Auen für unerlässlich. „Nur wenn es genügend Flächen gibt, in denen sich das Wasser nach Starkregenereignissen ausbreiten kann, können größere Schäden vermieden werden.“
Weitere Informationen gibt es im Internet im Hochwasserportal Hessen: www.hochwasser-hessen.de.
Foto: Thomas Buch erläutert Landrat Jan Wecker die Funktionsweise der Hochwasserwarnung im Internet.
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