Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Eingreifreserve – hat gegen sieben mutmaßliche Mitglieder einer international agierenden Tätergruppierung der Rauschgiftkriminalität Anklage zur Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt am Main erhoben. Ihnen wird bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln (Kokain und Cannabis) in nicht geringer Menge zur Last gelegt.
Die Angeschuldigten sind zwischen 43 und 58 Jahre alt. Sie besitzen die kroatische, serbische, nordmazedonische, montenegrinische und deutsche Staatsangehörigkeit. Nach der 346 Seiten umfassenden Anklageschrift sollen sich die Angeschuldigten seit Januar 2020 einer international agierenden Tätergruppierung angeschlossen haben, die Kokain und Cannabis im dreistelligen Kilogrammbereich aus Norddeutschland und den Benelux-Staaten zu Ankaufspreisen von insgesamt mehr als 10,6 Mio. Euro bezogen und anschließend in Hessen, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Bayern sowie im angrenzenden europäischen Ausland vertrieben haben soll.
Zu diesem Zweck soll sich die Gruppierung eines Netzwerkes von Kurierfahrern und Bunkerverwaltern bedient haben. Die von den Kurierfahrern eingesetzten Fahrzeuge sollen mit professionellen Schmuggelverstecken ausgestattet gewesen sein. Das umgesetzte Kokain und die erzielten Bargelderlöse sollen in mehreren Bunkerwohnungen im Frankfurter Stadtgebiet aufbewahrt worden sein. Zu Organisation und Abwicklung der Rauschgifttransporte soll die Gruppierung die kryptierten Messengerdienste „SkyECC“, „Hades“ und „Enigma“ genutzt haben. Im Jahr 2023 ließ die Gruppierung, so der Vorwurf der Anklage, zudem einen eigenen verschlüsselten Messengerdienst entwickeln (sog. „FakeWhatsApp“). Die Gruppierung soll Mobiltelefone, auf denen der Messengerdienst eigens eingerichtet worden war, an Mitglieder und „Geschäftspartner“ verteilt haben, um die verdeckte Kommunikation über Rauschgiftgeschäfte zu ermöglichen. Einem 53-jährigen Angeschuldigten wird zur Last gelegt, in den Jahren 2020 und 2023 an Geschäften der Gruppierung im Umfang von rund 500 Kilogramm beteiligt gewesen zu sein. Im Jahr 2020 soll er als zentraler Organisator des Deutschlandgeschäfts der Gruppierung die Abholung, Bezahlung und Weiterlieferung von rund 380 Kilogramm Kokain verantwortet haben. Im Jahr 2023 soll er insbesondere für die Ausstattung der Mitglieder der Gruppierung und ihrer „Geschäftspartner“ mit Mobiltelefonen verantwortlich gewesen sein und die Abwicklung der Kokaingeschäfte der Gruppierung technisch unterstützt haben. Ein 48-jähriger Angeschuldigter soll in mehreren Kurierfahrten insgesamt 72 Kilogramm Kokain in das Rhein-Main-Gebiet und nach Tschechien transportiert und in diesem Zusammenhang an Lieferanten der Gruppierung Kaufgelder in Höhe von insgesamt 471.500 Euro übergeben haben.
Ein 58-jähriger Angeschuldigter soll in mehreren Kurierfahrten insgesamt 61 Kilogramm Kokain in das Rhein-Main-Gebiet und nach Slowenien befördert und in diesem Zusammenhang an einen Lieferanten der Gruppierung Kaufgeld in Höhe von 258.300 Euro übergeben sowie von Abnehmern des Kokains Verkaufserlöse der Gruppierung in Höhe von insgesamt 269.100 Euro entgegengenommen haben.
Ein 43-jähriger Angeschuldigter soll als Kurierfahrer insgesamt 55 Kilogramm Kokain transportiert und in diesem Zusammenhang an Lieferanten der Gruppierung Kaufgelder in Höhe von insgesamt 1.238.835 Euro übergeben sowie von Abnehmern des Kokains Verkaufserlöse der Gruppierung in Höhe von rund 690.000 Euro entgegengenommen haben. Weitere Kokaintransporte der Gruppierung soll er als sogenannter „Scout“ abgesichert haben. Einem 46-jährigen Angeschuldigten wird vorgeworfen, an Kokainlieferanten der Gruppierung 464.600 Euro an Kaufgeldern übergeben zu haben und für die Verpackung und den Weiterverkauf von insgesamt 56 Kilogramm Cannabis zuständig gewesen zu sein, die in einer Lagerhalle in Langenfeld (Rheinland) aufbewahrt worden sein sollen.
Die beiden übrigen Angeschuldigten im Alter von 53 und 43 Jahren sollen sich ebenfalls als Kurierfahrer betätigt haben und insgesamt 26 bzw. 13 Kilogramm Kokain sowie 190.000 Euro bzw. 279.700 Euro an Kaufgeldern für Kokain befördert haben. Die Angeschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft. Die Hauptverhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt am Main beginnt am 21.01.2025 um 09.45 Uhr in Saal I. Der Erhebung der Anklage sind umfangreiche Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts vorausgegangen. In dem zugrundeliegenden Ermittlungskomplex erfolgten im Oktober 2023 zahlreiche Festnahmen und Durchsuchungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Weitere Exekutivmaßnahmen gegen die mutmaßliche Tätergruppierung erfolgten im Oktober 2024.
Von insgesamt 33 beschuldigten Mitgliedern oder „Geschäftspartnern“ der Gruppierung konnten in dem bei der Generalstaatsanwaltschaft geführten Ermittlungskomplex bislang 17 Mitglieder im In- und Ausland festgenommen werden. Weitere 7 der 33 mutmaßlichen Mitglieder und Geschäftspartner befinden sich derzeit in Kroatien, Italien und der Schweiz in Haft.
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