Die Notaufnahme ist nicht das Grandhotel

Ei Gude wie
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Wir alle standen schon vor einer Situation, die wir Notfall nannten. Sei es, dass wir vor der eigenen Haustür standen und feststellten, wir haben den Haustürschlüssel in der Wohnung liegen lassen. Das ist schon etlichen Mitmenschen passiert. Jeder von uns kann sich an solche oder ähnliche Situationen erinnern. Der „Super-Gau“ für Raucher ist sicherlich das fehlende Streichholz. So etwas haben wir alle schon in ähnlicher Form erlebt. Ist das aber ein Notfall?

Als Notfall wird allgemein jede unvorhergesehene Situation, in der eine drohende Gefährdung für Sachen, Tiere oder die körperliche Unversehrtheit von Menschen eintritt, definiert. Notfälle können große Überschwemmungen, Großbrände, Flugzeugabsturz oder ein medizinischer Notfall sein. Oder eben die kleinen Dinge des Alltaglebens, wie ich sie zu Beginn beschrieben habe. Jeder hat für sich seine eigene Theorie, wie es zu diesem „Missgeschick“ kommen konnte. Sicher ist nur: Der Betroffene ist selten schuld. Schuld haben immer „die“ anderen.

Aber, Spaß beiseite, manchmal geschehen einem Dinge, die werden schnell zum Notfall und dann muss schnell etwas geschehen. Ich habe in den vergangenen Jahren öfters mehrere Stunden in der Notaufnahme in Krankenhäusern zugebracht. Wer dort arbeitet, braucht gute und starke Nerven und hätte locker eine Zulage, die das Wort verdient, verdient. Als Beobachter von Situationen mitten aus dem Leben ist die Notaufnahme eine „Goldgrube“. Allerdings gehe ich dort nicht freiwillig hin, schon deshalb, weil ich niemand den Platz wegnehmen will.

Dort werden Unfälle eingeliefert. Ob Straße, Betrieb oder Haushalt. Da steckt ein Schraubendreher in der Hand, ein ganzes Bein steht in eine andere Richtung. Gut schaut auch ein gebrochener Arm aus. Das will eigentlich keiner sehen. Diese betroffenen Menschen sind meist „pflegeleicht“ und froh, dass sie versorgt werden. Ich bin einmal in der Notaufnahme gelandet, da war wenig Betrieb und es schien eine angenehme Atmosphäre zu herrschen. Das war mein erster Eindruck. Das ist angenehm, dachte ich. Aber nicht lange, keine fünf Minuten hielt der Zustand. Eine ältere Dame wurde hereingeschoben. Das, sie was hatte, stelle ich nicht in Frage. Ihr Hausarzt hatte sie einliefern lassen. Jeder konnte oder besser gesagt musste sich ihre Auslassungen anhören. Sie hielt locker vier Schwestern und Pfleger auf Trab. Das Bett quietschte, die Matratze war zu hart, die Decke zu dünn und außerdem hatte sie Durst und musste dringend auf die Toilette. Das Bettlaken war auch schmutzig.

Mein erster Gedanke war, die Notaufnahme ist nicht das Grandhotel Frankfurter Hof. Alle waren sichtlich bemüht, die Leiden der Frau zu lindern, hatten aber keine Chance. Der Dame fiel immer wieder etwas Neues ein. Die Stimmung, die gute, war geflohen. Und ich wollte auch schnell weg. Dann setzte auch noch Hochbetrieb ein. Die Notfälle kamen im Minutentakt und es entstand an der Anmeldung ratzfatz eine Schlange wartender Notfälle. Dann siehst du Dinge, die du wirklich nicht sehen willst. Nur, die in der Notaufnahme müssen überall hinschauen. Also Leute, wenn ihr wieder einmal in der Notaufnahme landet, behandelt die dort arbeitenden Menschen mit Respekt, ihr wollt ja auch so behandelt werden. Die sind übrigens rund um die Uhr für Euch da! Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (72) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



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