Wisse Sie immer, was Sie wolle? Ich nett! Leider!! So ist das aber, im richtigen Leben. Wir überlegen, wir schätzen ab und ein, wir sind hin und her gerissen, wir zaudern, bis es zu spät ist. Und dann? Hätte, hätte Fahrradkette... Sie kennen den noch, der das gesagt hat. Das ist der Sozi, der fürs Babbele mehr Geld bekommen hat wie die Schwarze. Da waren die, nein sind, ganz schön sauer gewesen, heute noch. Seine „Stinke - Finger - Nummer“ hat ihn dann nicht wählbar gemacht, da hat dann „Mutti“ wieder das Rennen gemacht. So ist das halt im Leben.
Hätte der gewusst, was er will, hätte er das eine oder andere gelassen oder gemacht. Wer weiß, wie das ausgegangen wäre? Überhaupt, nachher ist man immer schlauer. Na ja, da habe ich auch meine Zweifel. Ob man das überhaupt will. Man sagt ja auch, die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Der spanische Philosoph, Schriftsteller und Literaturkritiker George Santayana soll gesagt haben: „Wen man sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist man verurteilt, sie zu wiederholen!“ Etliche wollen sich ja nicht an die Vergangenheit erinnern oder daraus lernen. Also, wenn das stimme tut, dann gute Nacht Zukunft. Da werden wir noch ein paar Jahrhunderte brauchen, bis wir uns ein Stückchen zum Besseren entwickeln. Ob es uns dann noch gibt? Den Planeten Erde schon, mit einigen Viechern vermutlich. Die Demokratie wird eine kurze Episode der Menschheitsgeschichte gewesen sein. Ein Feudaler wird wieder unser Herr sein und: Es wird wieder Zucht und Ordnung herrschen.
Jetzt fällt mir wieder ein, was ich eigentlich will! Ich will in erster Linie meine Ruhe haben! Ja, meine Ruhe. Augen zu und Kopf in den Sand. Das wäre schön. Wenn da nicht fortlaufend meine Ruhe gestört würde. So ein Mist auch. Da fliegen im Minutentakt Flugzeuge über Neuenhaßlau. Oder auf der Autobahn ist ein Unfall. Danach zieht eine Blechlawine durch das Dorf. Ganz eilige nehmen vermeintliche Abkürzungen durch Seitenstraßen und rasen durch das Wohngebiet. Spätestens dann ist Schluss mit lustig. An solchen Tagen möchte man am liebsten nicht aufstehen. Wohl dem der Arbeit hat und fort ist. Da klingt Arbeiten wie Urlaub. Und wenn du denen im Staustehende durch die Frontscheibe vom Auto ins Gesicht guckst, siehst du Stress pur. Das wolle die nicht. Die wolle eine sechsspurige Autobahn ohne Stau und schnell fahren. Da stehen wir Hässeler einfach nur im Weg. Umgekehrt wird für uns Rentnern ein Schuh draus. Wäre der Osten von uns unbewohnt, so hinter Meddele, hätte mir jetzt kein Stau im Dorf. Wir sind halt zu viele auf dem Planeten, denke ich.
Wir haben jetzt schon im Juli unsere erneuerbaren Ressourcen aufgebraucht und leben jetzt auf Pump. Wir bräuchten drei Erden, sagen die Experten. Trotzdem: „Es ist besser, Ebbes zu habbe, was man nett braucht, als Ebbes nett zu habbe, was man dringend gebrauchen tät!“ Wir sind halt Jäger und Sammler und wollen, dass es uns an nichts mangelt. Dabei will ich doch nur mit meinem Einkommen auskommen. Und während ich so weiter nachdenke, geht gerade irgendwo in Afrika eine Mutter mit einem Krug schmutzigem Wasser auf ihrem Kopf tragend, jeden Tag 20 Kilometer zu einer Quelle, um ihre Familie mit Wasser zu versorgen. Wenn die von mir wüsst, würde die bestimmt jetzt denken: „Dem seine Sorgen möchte ich haben!“ Ei Gude, wie!
Zum Autor
Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (73) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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