Erst vor wenigen Tagen hatte Bürgermeister Benjamin Harris (CDU) in einer Pressemitteilung die erneuten Einschränkungen am Mathilden-Hospital kommentiert – viele Worte, wenig Konkretes. Genau dieses Muster, so die Kritik der Fraktionen FWG und Pro Vernunft sowie des Diebacher Ortsvorstehers Waldemar Steinbring, wiederholt sich nun beim geplanten Ärztehaus in Diebach.
Bereits im Juli 2024 hatte die Stadtverordnetenversammlung den Ankauf eines Grundstücks beschlossen, um dort ein modernes Ärztehaus zu errichten. Vorgesehen waren eine Hausarztpraxis, ergänzende Fachrichtungen sowie eine Tagespflege. Ziel war es vor allem, die Perspektive der vorhandenen Hausarztpraxis in Diebach langfristig zu sichern. Doch seit dem Beschluss bewegt sich wenig.
„Büdingen braucht nicht nur Ankündigungen, sondern endlich die verlässliche Umsetzung von Entscheidungen. Gerade bei der medizinischen Versorgung darf es kein Aufschieben geben – hier steht die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt auf dem Spiel“, betont Gunnar Bähr, Fraktionsvorsitzender von Pro Vernunft.
Hintergrund: Erst auf Nachfrage im Haupt- und Finanzausschuss am 22. September erklärte Harris, dass „mit verschiedenen Investoren“ gesprochen worden sei, das Projekt sich jedoch für keinen rechne. Wie viele Investoren konkret angesprochen wurden und unter welchen Bedingungen, ließ er offen.
Für FWG-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Majunke ist das symptomatisch: „Die unterschriebenen Vorlagen des Bürgermeisters sind oft unvollständig und schlecht vorbereitet. Teilweise kennt er sie trotz eigener Unterschrift nicht. Ohne eine gewisse Qualität der Berichte und Vorlagen können die Stadtverordneten allerdings keine Entscheidungen treffen.“ Und er ergänzt: „Die medizinische Versorgung der Bevölkerung hat sich in der Region Büdingen in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Dieser Entwicklung muss auch im Rathaus entschlossener entgegengewirkt werden und insbesondere der Bürgermeister muss sich hierfür mehr Zeit nehmen. Vor allem wünschen wir uns jedoch mehr Professionalität.
Ortsvorsteher Waldemar Steinbring betont: „Für unseren Stadtteil ist die ärztliche Versorgung ein zentrales Thema. Wenn die praktizierende Ärztin, keine Perspektive erkennt, verliert Büdingen einen weiteren Baustein seiner Grundversorgung. Und er macht darüber hinaus deutlich: „Der Standort Diebach am Haag ist unverzichtbar. Zurzeit werden hier rund 1.600 Patientinnen und Patienten betreut – das zeigt doch klar, dass diese Praxis gebraucht wird. Wenn wir diesen Standort verlieren, bricht für viele Menschen in unserer Region die unmittelbare hausärztliche Versorgung weg“, erklärt Ortsvorsteher Waldemar Steinbring.
Die Fraktionen FWG und Pro Vernunft sowie Steinbring fordern deshalb einen schriftlichen Sachstandsbericht über die Investorengespräche und die Entwicklung konkreter Lösungswege. Dabei müsse auch geprüft werden, wie die Wirtschaftlichkeit für Investoren verbessert werden könne. „Es reicht nicht, Probleme zu beschreiben – wir brauchen Lösungen, die umgesetzt werden. Und zwar jetzt“, fasst Majunke die gemeinsame Haltung zusammen.

Foto: Thomas Appel
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