Bad Nauheim: Präventionsspiel KLASSE KITA

Bad Nauheim
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Am Montag, 16. März, wurde in der KIKS UP-Akademie im Goldsteinpark in Bad Nauheim die Evaluation des Präventionsspiels KLASSE KITA vorgestellt.

Guido Glück, Erster Vorsitzender von KIKS UP, begrüßte die Gäste und erläuterte das Spielprinzip, das auf Interaktivität, Bewegung und individueller Gestaltung beruht. „Was machen Kinder am liebsten? Sie spielen“, erklärte Glück. Genau hier setze KLASSE KITA an: „Ein komplexes Präventionskonzept wird in ein kindgerechtes Spiel übertragen.“ Die Evaluation des Spiels wurde durch das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege finanziert. Sie geht zurück auf einen Besuch von Ministerin Diana Stolz in Bad Nauheim, bei dem sie ihre Unterstützung für das Projekt zusagte. Auch wenn Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums ihren Besuch zur Präsentation der Ergebnisse kurzfristig absagen mussten, hob Glück die große Bedeutung der Landesförderung für die erfolgreiche Umsetzung der Evaluation hervor.

KLASSE KITA ist ein ganzheitliches Präventionsprogramm, das drei Bereiche in einem Spiel vereint: psychosoziale Gesundheit, Bewegungsförderung und Ernährungsbildung. Die Spielidee wurde maßgeblich von Jochen Mörler, dem städtischen Fachbereichsleiter für Kinder, Familie, Kultur und Sport, entwickelt. Anstelle eines klassischen Würfels kommen kurze Bewegungsimpulse zum Einsatz, mit denen die Kinder ihre Spielfigur über das Spielfeld bewegen. Magnetische Bewegungstafeln erlauben eine Anpassung an den Kita-Alltag und greifen zugleich veränderte Bewegungsmuster von Kindern auf. Über Ereignisfelder und -karten werden Spielaufträge, Bewegungsübungen und Entscheidungsaufgaben in den Ernährung, Bewegung sowie spielzeugfreien Zeiten. Eine Besonderheit sind die Pädagogikkarten, die Fachkräften Haltungsimpulse aus der Positiven Pädagogik geben – etwa zu Lob, positivem Blick, direkter Ansprache und Ich-Botschaften. 

Begleitend zum Spiel wurde eine zweitägige Fortbildung für Fachkräfte entwickelt. Am ersten Tag stehen methodische Grundlagen und der pädagogische Hintergrund im Mittelpunkt – insbesondere die Frage, warum Prävention bereits in der Kita so wichtig ist. Am zweiten Tag wird das Spielprinzip vorgestellt und praktisch erprobt.  Mit der Evaluation wurde die Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich mbH (FOGS) aus Köln beauftragt. Geschäftsführerin Prof. Dr. Nicole Stollenwerk stellte die Ergebnisse vor. Die Untersuchung umfasste zwei getrennte Befragungen: zur Fortbildung und zur Einführung des Spiels.

An der Evaluation der Fortbildungen – die im August und September 2025 stattfanden – nahmen 50 Personen teil, deren ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung einflossen. Die Rückmeldungen fielen sehr positiv aus: Gelobt wurden der klare rote Faden, die anschauliche Vermittlung und die konstruktive Arbeitsatmosphäre. Als zentrale Lerngewinne nannten die Teilnehmenden drei Bereiche: Wie Menschen lernen, Positive Pädagogik und seelische Grundbedürfnisse von Menschen. Themen wie Regeln und Konsequenzen sowie die Zusammenarbeit mit Eltern wurden als besonders relevant für den Kita-Alltag hervorgehoben. „Das Fortbildungskonzept ist ein richtiger Schatz. Die Ergebnisse zeigen klar, dass es dazu beiträgt, dass Fachkräfte über ihr berufliches Selbstverständnis nachdenken“, bilanzierte Stollenwerk.  Für die Einführung des Spiels wurden im Dezember 2025 insgesamt 40 Fragebögen ausgewertet. Zwar sei der Zeitraum seit dem Start noch zu kurz, um langfristige  Veränderungen nachzuweisen, dennoch gebe es deutliche Tendenzen. Fast alle Befragten berichteten, dass die Einführung gut gelungen sei. Spielfeld, Pädagogikkarten und Ereigniskarten wurden besonders positiv bewertet. Viele Kitas nutzen KLASSE KITA inzwischen regelmäßig, etwa im Morgenkreis zu einem festen Zeitpunkt. Der Zeitaufwand von meist 10 bis 15 Minuten wurde als gut in den Alltag integrierbar beschrieben. 

Im Fazit bewertet die Evaluation KLASSE KITA als sehr erfolgversprechendes Instrument für frühkindliche Präventionsarbeit. Die Rückmeldungen geben zugleich Hinweise zur Weiterentwicklung, etwa dazu, die komplexe Spielstruktur in zukünftigen Fortbildungen noch stärker zu vertiefen. Aus Sicht der Verantwortlichen hat KLASSE KITA das Potenzial, spätere Jugendhilfemaßnahmen zu reduzieren, indem Prävention deutlich früher ansetzt. „Wenn wir die Prinzipien von KLASSE KITA strukturell in einer Kommune umsetzen, erzielen wir unglaubliche Effekte“, ist Mörler überzeugt. Erster Stadtrat Peter Krank ergänzt: „In Bad Nauheim sind wir sehr stolz auf die Entwicklungsarbeit im Bereich Prävention in den Kitas. An der Finanzierung solcher Projekte darf es nicht scheitern – sie kommen Kindern und Familien zugute und können gleichzeitig langfristig Kosten sparen. Wir haben daher bereits beschlossen, das Spiel in allen städtischen Kitas zu etablieren.“ Die positive Evaluation von KLASSE KITA gibt Rückenwind: „Unser Konzept funktioniert“, fasst Glück zusammen. „Jetzt geht es darum, Entscheidungsträger zu überzeugen, dass es sich lohnt, das Projekt flächendeckend zu finanzieren und umzusetzen.“

KLASSE KITA AG

Fachkräfte, Projektverantwortliche und Vertreter der Stadt – nach der Präsentation der positiven Evaluation des Präventionsspiels KLASSE KITA in der KIKS UP-Akademie.



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