Das Rote Kreuz, die Stadt Büdingen und das Familienzentrum Planet Zukunft haben unter dem Motto „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ Anfang des Jahres einen Workshop für geflüchtete Frauen veranstaltet.



Teilnehmerinnen, die aus Iran, Afghanistan, Nigeria, Eritrea und Irak stammen, haben an zwei Nachmittagen gemeinsam Bilder gemalt. Während des Projekts sprachen Carmen Hobohm, die die Migrationsberatung des DRK Kreisverbandes leitet, May-Britt Weismantel vom Familienzentrum Planet Zukunft und Integrationssprachlotsin Suha Mousa mit den Frauen über das Grundgesetz und dessen Bedeutung. Für den 3. Oktober - dem Tag der Deutschen Einheit - war eine Ausstellung mit Vernissage im Pferdestall geplant. Die Veranstaltung musste aufgrund steigender Corona-Zahlen abgesagt werden. Anlass für das Projekt sei der 70. Jahrestag des Grundgesetzes gewesen. Das Projekt habe schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen, das habe aber aus terminlichen Gründen nicht geklappt. . „Malt, was ihr wollt, was ihr euch wünscht, worauf ihr Lust habt oder was ihr toll findet, war kurz und knapp gesagt, das Motto“, berichtet Carmen Hobohm.
Ziel sei gewesen, geflüchtete Frauen mzusammenzubringen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, sich kreativ auszudrücken. Es sei den Veranstalterinnen dabei wichtig gewesen, dass die Frauen nach vorne schauen und ein positives Erlebnis haben. Während des Projekts sprachen May-Britt Weismantel vom Familienzentrum Planet Zukunft, Carmen Hobohm und Suha Mousa mit den Teilnehmerinnen, die aus Afghanistan, Nigeria, Eritrea, Irak und Irak stammen, über das Grundgesetz und dessen Bedeutung. „Wir haben gefragt: Welche Vorteile hat es für euch, in einer Demokratie zu leben?“ Eine Frau aus Afghanistan habe geantwortet, dass es für sie in Deutschland viel besser sei als in ihrem Heimatland. Hier könne sie alleine auf die Straße gehen. „Afghanistan gehört zu den Ländern der Welt, in den Frauen am meisten verfolgt und umgebracht werden“, erklärt Carmen Hobohm dazu.
Eine Christin aus dem Iran habe gesagt, sie könne in Deutschland ohne Kopftuch aus dem Haus gehen und ihren Glauben offen zeigen. Im Iran dagegen würden Christen verfolgt. Carmen Hobohm: „Viele der Frauen aus diesen Herkunftsländern erleben in Deutschland größere Freiheit und Autonomie. Sie gewinnen an Selbstbewusstsein und erlebten ein neues Selbstverständnis. „Außerdem ändert sich in Deutschland nicht selten die Position der Frauen innerhalb der eigenen Familie. Die Frauen lernen schneller die deutsche Sprache als ihre Männer, sie begreifen schneller, wie hier was funktioniert und können sich besser im System zurechtfinden“, schildert Carmen Hobohm. „Viele von ihnen wünschen sich, als Geflüchtete anerkannt zu werden, um anschließend eine Ausbildung absolvieren und einen Beruf ergreifen zu können.“
Die Mehrheit der geflüchteten Frauen wolle berufstätig sein, weil auch in Deutschland der Großteil der Frauen einen Beruf ausübe. „Sie möchten dazugehören“, unterstreicht Carmen Hobohm im Gespräch. „Eigener Beruf bedeute eigenes Geld und das wiederum Autonomie und Unabhängigkeit.“ Die Migrationsberaterin freut sich, dass es mit dem Kunstprojekt gelungen ist, eine konfessionsübergreifende Annäherung zu schaffen. Die Frauen hätten ihre
Kopftücher abgenommen, Musik vom Handy gespielt, getanzt, gemalt und gemeinsam gelacht. Sie hofft, dass die abgesagte Ausstellung nachgeholt werden oder in anderer Form stattfinden kann.
Foto: Carmen Hobohm
Fotos: Kunstwerke der geflüchteten Frauen.
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