Grüne Bürgermeisterkandidatin informiert sich bei der HGON

Bildquelle: Christa Degkwitz

Echzell
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Vor Kurzem war die Grüne Bürgermeisterkandidatin Christa Degkwitz zusammen mit Parteikollegen, dem Fraktionsvorsitzenden Lars Friedrich sowie Alice Domes, zu Besuch bei der der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Dort tauschten sie sich intensiv mit Inga Hundertmark, eine der beiden Vorsitzenden der HGON, aus. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand das geplante Aueninformationszentrum in Bingenheim.

HGON und Echzeller Grüne erhoffen sich dort die Schaffung eines bedeutenden Besuchermagnets in der Gemeinde, auch während der Landesgartenschau 2027.

Die HGON, mit fast 1700 Mitgliedern der größte ornithologische Fachverband in Deutschland, beschäftigt landesweit mehr als 20 Mitarbeiter*innen, von denen mehrere in Echzell tätig sind. Der Verband koordiniert das Monitoring-Programm für Vögel in Hessen, wobei die Datenerfassung durch ein engagiertes Netzwerk von Ehrenamtlichen erfolgt. Aktuell durchläuft die Organisation einen Professionalisierungsprozess, der sich unter anderem in der kürzlich erfolgten Gründung eines Betriebsrates widerspiegelt.

"Besonders freuen wir uns auf die geplante Umsetzung des Aueninformationszentrums in Bingenheim," erklärte Bürgermeisterkandidatin Christa Degkwitz. "Das innovative Konzept verbindet Naturschutz, Umweltbildung und nachhaltige Bauweise auf vorbildliche Weise." Der ausgewählte Entwurf sieht eine Holzkonstruktion mit Photovoltaikanlagen vor, umgeben von neu anzulegenden Wasserflächen. Im überdachten Bereich werden Sitzgelegenheiten geschaffen, während im Innenraum ein Ausstellungsbereich und ein Büroraum entstehen sollen. Besonders attraktiv für Besucher dürfte der geplante Multimedia-Bereich werden, der möglicherweise eine Live-Cam-Übertragung aus dem Bingenheimer Ried beinhalten wird.


Die Umsetzung des Projekts bis zur Landesgartenschau wird von den Beteiligten als realistisch eingeschätzt, ist jedoch vom Erfolg eines Leader-Förderantrags abhängig. Durch ein innovatives Stecksystem soll der Bau relativ schnell umsetzbar sein. Das nachhaltige Bauverfahren, das in Kooperation mit der Universität Kassel entwickelt wurde, verzichtet auf Flächenversiegelung und richtet sich an verschiedene Zielgruppen, z.B. Naturbeobachter im Bingenheimer Ried, Radfahrer auf dem Limesweg sowie Besucher der Landesgartenschau. „In unserem Aueninformationszentrum werden aber natürlich alle Interessierten herzlich willkommen sein“, stellte Hundertmark klar.

Inga Hundertmark betonte weiterhin die besondere Bedeutung des Bingenheimer Rieds: "Das Bingenheimer Ried ermöglicht den Besuchern auch sehr seltene Arten, wie z.B. die Löffelente, aus direkter Nähe zu beobachten. Das ist auch ein positiver Effekt des dort errichteten Zauns." Die Schutzmaßnahmen, insbesondere die Einzäunung des Gebiets, haben sich aus Sicht der HGON als außerordentlich erfolgreich erwiesen und tragen zur Attraktivität des Gebiets bei, das besonders während des Vogelzugs seltene Arten und damit auch viele interessierte Besucher anzieht.


Im Gespräch wurden auch aktuelle Herausforderungen im Naturschutz thematisiert. Die HGON beklagt einen Mangel an Nachwuchs und hat daher im vergangenen Jahr ein Mentoring-Programm zur Nachwuchsgewinnung ins Leben gerufen, bei dem Mentoren interessierte Mentees für ein halbes Jahr betreuen. Zudem hat sich die finanzielle Lage im Naturschutz nach Aussage der Verbandsvertreter drastisch verschlechtert. Die neue hessische Landesregierung habe wichtige Mittel zur Verbandsförderung im Naturschutzbereich gestrichen, und auch die von den Naturschutzverbänden erhobenen Daten würden vom Land nicht mehr finanziert. Degkwitz meinte dazu: „Hier sieht man den Unterschied, wenn Grüne nicht an der Regierung beteiligt sind. Der Naturschutz, und damit unsere Lebensgrundlage, wird vernachlässigt.“ Hundertmark verwies hierzu auch auf das gemeinsame Statement von HGON und anderen Naturschutzverbänden unter dem Titel "Land Hessen forciert das Artensterben".

Ein weiteres Thema des Austauschs waren die, trotz vielfältiger Schutzmaßnahmen, rückläufigen Amphibienvorkommen. Das betrifft beispielsweise die Knoblauchkröte, die in Echzell ihr größtes Vorkommen in ganz Hessen hat. Als Bewohner der Agrarflächen können bei der Knoblauchkröte Bodenbearbeitung oder Pestizideinsatz zu Beeinträchtigungen führen, aber auch der Klimawandel hat maßgeblichen Einfluss auf die Bestände.

Auch die von lokalen Landwirten beklagte Gänsepopulation stand auf der Agenda. Die HGON entwickelt gemeinsam mit dem Forstamt Lösungen für die Problematik und setzt dabei auf Kooperation mit den örtlichen Landwirten.

Die Grünen-Delegation zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der HGON und bekräftigte ihr Engagement für den Naturschutz in Echzell. "Der Schutz der biologischen Vielfalt und die Förderung eines nachhaltigen Umweltbewusstseins sind zentrale Anliegen unserer politischen Arbeit", so Degkwitz abschließend.



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