Leitungswechsel beim MüZe-Milchcafé

Hebamme Sandra Mauer erhält ein Abschiedsgeschenk für ihre langjährige, ehrenamtliche Arbeit im MüZe-Milchcafé. Foto: Stadt Karben

Karben
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Seit zwölf Jahren ist das Milchcafé im Karbener Mütter- und FamilienZentrum eine wichtige Anlaufstelle Eltern im ersten Lebensjahr ihres Babys. Jeden Mittwoch von 10 bis 11 Uhr ist eine Hebamme im Begegnungscafé MüZe-Treff in Burg-Gräfenrode vor Ort und unterstützt die Familien in der sensiblen Zeit nach dem Ende der Wochenbettbetreuung. Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und dank der Förderung im Programm der Frühen Hilfen des Wetteraukreises kostenlos.

Am Mittwoch vor Weihnachten ging eine Ära im Milchcafé zu Ende. Hebamme Sandra Mauer, die das Veranstaltungsformat 2013 mit den MüZe-Macherinnen auf den Weg brachte und es zuletzt mit ihrer Kollegin Nadine Schmolt leitete, gab ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement auf. „Es gibt keine Frage, die mir in den vergangenen Jahren nicht gestellt wurde: von der Ernährung über den Schlaf bis zur Bewegungsentwicklung des Babys. Oft hilft es den Eltern auch schon andere Familien kennenzulernen und zu hören, dass sie die gleichen Sorgen haben – oder hatten, dass vieles, was sie umtreibt, einfach eine ganz normale Phase in der Entwicklung ihres Kindes ist“. Der Gedanke dahinter dem Angebot ist denkbar einfach: Dasein, Zuhören, Hinsehen, Fragen beantworten, Hilfe anbieten und, wo es nötig ist, an spezialisierte Stellen verweisen. Und das alles leicht zugänglich und niederschwellig, bevor es bei Eltern oder Kind zu ernsthaften Problemen kommt. „Das Milchcafé war von Anfang an gut besucht – ein richtiges Erfolgsformat“, erinnert sich Mauer. 

Da sie weiß, wie wertvoll das Angebot für junge Familien ist, gibt sie ihre Tätigkeit im Milchcafé nur schweren Herzens auf, spricht aber auch offen über den ernsten Hintergrund ihrer Entscheidung: „Hebammen leisten unverzichtbare Arbeit. Sie begleiten Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit dem Baby. Wir ermöglichen einen gelungenen Start ins Leben. Vor kurzem haben sich aber die Vergütungsstrukturen sehr zu Ungunsten unseres Berufsstandes verändert: Melden sich zum Beispiel Teilnehmerinnen zu meinen krankenkassen-finanzierten Kursen Geburtsvorbereitung oder Rückbildung an und erscheinen zu einzelnen Terminen nicht – was natürlich vorkommen kann, in einer Zeit, in der sich mit der Geburt des Kindes so viel ändert im Leben, – bekomme ich diese Ausfallzeiten nicht mehr bezahlt. Im Winter, wenn viele krank sind, kann mich diese Änderung gut und gerne die Hälfte meiner Einnahmen kosten. Ich bin selbstständig und das bedeutet für mich eine große wirtschaftliche Unsicherheit. Ich bin leider gezwungen, mich neu aufzustellen“. 

Die Arbeit in Maurers Rendeler Hebammenpraxis – Schwangerenberatung und Wochenbettbetreuung – sowie die Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildung im MüZe laufen wie gewohnt weiter. Zusätzlich wird die zertifizierte Yogalehrerin aber neue Kursformate unabhängig von der Krankenkasse an den Start bringen: „Mein Herzensprojekt ‚Mama Balance‘ hat sich im MüZe mittlerweile etabliert. Hier sind alle Mamas willkommen, die sich einmal in der Woche etwas Raum und Zeit für sich wünschen. Und nach den Weihnachtsferien geht es mit zwei neuen Kursen los: ‚Postnatales Yoga‘ für alle, die schon vor dem klassischen Rückbildungskurs wieder langsam starten wollen, und ‚Fit nach der Rückbildung‘, wo es dann deutlich sportlicher wird“, schaut Mauer optimistisch in die Zukunft und ergänzt lachend: „Natürlich im MüZe“. MüZe-Geschäftsführerin Nina Schücker ergänzt: „Dazu kommen unsere offenen Eltern-Baby-Treffen, die verschiedenen Beratungsangebote und natürlich die Kurse für Eltern mit Kind wie ‚Spiel & Spaß für Babys‘, ‚Babys in Bewegung – mit allen Sinnen‘, ‚Babymassage meets Baby Yoga ‘ und ebenfalls neu das Sportangebot ‚fitdankbaby‘ – wir sind bereit für die 2026er-Babys!“ 

Denn auch für das MüZe-Milchcafé konnte eine gute Lösung gefunden werden. Es öffnet am 07.01. erstmals seine Pforten unter der Leitung der beiden Hebammen Nadine Schmolt und neu Rebecca Jocher. Die scheidende Leiterin schluckt bei der Übergabe des Abschiedsgeschenks: „Aber so ganz möchte ich doch gar nicht gehen. Ihr könnt mich jeder Zeit als Vertretung anfragen“. Alle Anwesenden merken spätestens in diesem Moment, wie viel der erfahrenen Hebamme ihre Arbeit trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bedeutet.

milchkurskarben kg 

Hebamme Sandra Mauer erhält ein Abschiedsgeschenk für ihre langjährige, ehrenamtliche Arbeit im MüZe-Milchcafé. Foto: Stadt Karben



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