Zuhören, verstehen, handeln – unter diesem Motto besuchte die Reichelsheimer CDU-Fraktion gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Annette Wetekam die Sozialstation Mittlere Wetterau in Weckesheim. Dem Austausch wohnte auch Bürgermeisterin Lena Herget in ihrer Funktion als Vorsitzende der Verbandsversammlung bei. Eins wurde schnell deutlich: Die interkommunal getragene Einrichtung ist ein Erfolgsmodell – stößt aber auch an ihre Grenzen.
Die Sozialstation, so erläuterten Pflegedienstleitung Christina Benner und Verwaltungsleitung Ute Hennrich, versorgt über 300 Patientinnen und Patienten im Gebiet des Zweckverbands aus Echzell, Florstadt, Wölfersheim und Reichelsheim. Täglich werden rund 350 Einsätze koordiniert – oft über Distanzen von mehr als 100 Kilometern. Die Tourenplanung folgt dabei nicht nur geografischen Kriterien, sondern berücksichtigt auch die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen.
„Die Pflegekräfte leisten beeindruckende Arbeit – Tag für Tag, bei Wind und Wetter, in einem großen Einzugsgebiet mit vielen Stadtteilen“, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Hachenburger. „Sie sind mehr als Pflegerinnen und Pfleger – sie sind Alltagsbegleiter, Ansprechpartner, Halt.“
Die Sozialstation bietet umfassende Leistungen für alle Pflegegrade an: Körperpflege, pflegerische Betreuung und hauswirtschaftliche Versorgung. Auch ohne Pflegegrad können Menschen über eine Verordnung häuslicher Krankenpflege eine kurze Zeit pflegerische Versorgung nach Unfällen oder bei schwerer Krankheit eine kurzzeitige pflegerische Versorgung zur Vermeidung eines Krankenhausaufenthaltes erhalten, gleiches gilt für medizinische Behandlungspflege. „Wir sind keine Putzkräfte – wir sind da, wenn Menschen uns wirklich brauchen“, erklärte Benner.
Mit 48 Mitarbeitenden, darunter zehn Vollzeitkräfte und fünf Auszubildende, ist die Einrichtung gut aufgestellt. Dennoch wächst der Bedarf schneller als die personellen Möglichkeiten. Die Pflegebedürftigkeit nimmt stetig zu, prognostiziert Benner, qualifiziertes Personal ist schwer zu finden, der Wettbewerb ist groß. Hinzu kommt, dass man mit einer Pflegeversicherung zunehmend an finanzielle Grenzen stößt. „Kosten explodieren, Planungssicherheit fehlt – und die Frage, wie Pflege in Zukunft finanziert werden soll, bleibt offen“. Wer bei uns anruft, erhält Unterstützung. „Beratung ist ein Menschenrecht“, unterstreicht Benner. Die Sozialstation steht für Verlässlichkeit – auch dort, wo Pflegekassen nicht alles abdecken.
Im weiteren Verlauf rückte das Landesprogramm „Gemeindepfleger“ in den Fokus. Es sieht eine befristete Förderung bis Ende 2026 vor. Die CDU-Fraktion bewertet eine Beteiligung unter den aktuellen Rahmenbedingungen als nicht zielführend. Bürgermeisterin Herget verweist auf bestehende, niedrigschwellige Angebote der Sozialstation und auf die Notwendigkeit langfristiger personeller Strukturen. Die CDU teilt diese Einschätzung. Gleichzeitig herrscht Einigkeit darüber, dass das Thema „Teilhabe im Alter“ dauerhaft auf der kommunalen Agenda verankert werden muss. „Zur Altenarbeit, die eigentlich eine Inklusionsarbeit ist, gehören nicht nur Beratungen, sondern auch Angebote von Vereinen, Kirchen und des VdK“, so Hachenburger und weiter: „Diese Angebote brauchen künftig mehr Vernetzung.“ Sollte das Landesprogramm verlängert werden, wünscht der Fraktionsvorsitzende, dass die Stadt diesen Impuls konstruktiv aufgreift und ein ganzheitliches Konzept zur Teilhabe älterer Menschen entwickelt.
Die CDU-Fraktion und Wetekam zeigten sich beeindruckt vom Einsatz und der Professionalität des Teams: „Die Sozialstation zeigt, was möglich ist, wenn Kommunen zusammenarbeiten. Doch es funktioniert nur mit politischer und finanzieller Rückendeckung. Pflege ist keine Ware – sie ist eine Frage der Menschlichkeit und der gesellschaftlichen Verantwortung.“

Von links: Rebecca Menzel, Annette Wetekam MdL, Verwaltungsleitung Ute Hennrich, Bürgermeisterin Lena Herget, Pflegedienstleitung Christina Benner, Maria-Carlotta Sehrt und Holger Hachenburger.
PS: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von WETTERAU.NEWS!

