Reichelsheim: Mehr Transparenz bei geplantem Umspannwerk

Reichelsheim
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"Die Informationsveranstaltung der Firma Tennet zum geplanten XXL-Umspannwerk bei Reichelsheim hat viele Bürgerinnen und Bürger, Landwirte und Kommunalpolitiker mobilisiert. Der große Andrang zeigte deutlich, wie stark die Sorgen um die Zukunft unserer Böden, unserer Landwirtschaft und unserer Umwelt sind", so Cenk Gönül (Freie Wähler).

Doch trotz zahlreicher Fragen sei am Ende mehr Verunsicherung als Klarheit geblieben. „Viele Antworten blieben vage – entscheidende Fragen wurden gar nicht beantwortet“, kritisiert der Reichelsheimer Stadt- und Kreistagsabgeordnete Cenk Gönül (Freie Wähler).

"Ein zentraler Punkt betrifft die sogenannten gasisolierten Schaltanlagen (GIS). Auf Nachfrage wurde diese Alternative von Tennet schnell abgetan – mit dem Hinweis, dass das dabei verwendete Gas SF6 in naher Zukunft verboten werde. Das ist nur die halbe Wahrheit“, stellt Gönül klar. „Ja, SF6 ist klimaschädlich – deutlich schädlicher als CO₂. Aber es gibt längst Ersatzstoffe, die in Deutschland bereits zum Einsatz kommen. So entstehen derzeit neue GIS-Anlagen etwa in Berlin, wo moderne Ersatzgase genutzt werden. Damit ist klar: Gasisolierte Technik ist keineswegs obsolet – sie ist Stand der Technik und ermöglicht es, die benötigte Fläche auf ein Zehntel zu reduzieren. Warum also setzt Tennet auf die altbekannte, großflächige Bauweise? – Die Antwort liegt auf der Hand: Kosten. In urbanen Gebieten wie Berlin oder Frankfurt werden aus Platz- und Preisgründen selbstverständlich kompakte GIS-Anlagen gebaut. Dort ist der Boden so wertvoll, dass es keine Alternative gibt. Auf dem Land hingegen betrachtet man fruchtbare Äcker lediglich als 'billige Flächen', die man großflächig versiegeln könne. „Für uns aber sind diese Ackerflächen keine billige Lösung, sondern die wertvollsten Böden Hessens – Grundlage unserer Landwirtschaft und unserer Ernährung“, betont Gönül. „Wer diese Flächen für Jahrzehnte zubetoniert, denkt nur kurzfristig und gefährdet langfristig unsere Lebensgrundlagen.“

Ein weiterer offener Punkt: "Warum muss das geplante Umspannwerk auf 30 Hektar wertvollstem Lössboden entstehen, anstatt bestehende Standorte wie in Dorheim technisch zu erweitern und mit kompakter GIS-Technik zu ergänzen?"

Gönül fordert deshalb volle Transparenz und eine ergebnisoffene Prüfung aller Alternativen – auch der gasisolierten Schaltanlagen. „Es geht nicht darum, den Netzausbau zu verhindern. Aber wir dürfen nicht die Fehler von gestern wiederholen und unsere besten Böden dauerhaft opfern, nur weil es für ein Unternehmen kurzfristig billiger ist.“

Sein Fazit: „Die Bürger haben ein Recht auf klare Antworten, nicht auf Ausflüchte. Tennet ist in der Pflicht, ehrlich und offen zu prüfen – auch die Lösungen, die weniger Fläche verbrauchen und unsere Landwirtschaft schützen.“



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