Reichelsheim: Bedarf für XXL-Umspannwerk weiterhin nicht nachvollziehbar

Reichelsheim
Typographie
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Der aktuell kursierende Pressetext zum geplanten Umspannwerk in der Wetterau sorgt für neue Diskussionen – und bestätigt nach Auffassung der FREIE WÄHLER Reichelsheim zentrale Kritikpunkte, die sie seit Monaten vorbringen.

Während in früheren Sitzungen und auf konkrete Nachfragen stets verneint worden sei, dass ein konkreter regionaler Bedarf bestehe, wird nun öffentlich argumentiert, das Umspannwerk werde für die Einspeisung regenerativer Energien benötigt. „Wir haben immer wieder konkret gefragt: Wer hat den Bedarf angemeldet? Hat die OVAG zusätzlichen Leistungsbedarf gemeldet? Hat eine Kommune aus der Region mehr Stromleistung angefordert? Wird die Einspeisung vom Winterstein benötigt? Werden zusätzliche regenerative Energien eingespeist? – All diese Fragen wurden verneint", erklärt Cenk Gönül, Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender der FREIE WÄHLER Reichelsheim. Umso bemerkenswerter sei es nun, dass im Zeitungsartikel der F.AZ. genau diese Argumentation angeführt werde. „Wenn bei jeder Anfrage der Bedarf verneint wird und jetzt plötzlich von notwendiger Einspeisung erneuerbarer Energien die Rede ist, wirft das Fragen auf. Transparenz sieht anders aus", so Gönül weiter. 

30 Hektar nicht nachvollziehbar begründet - Nach Angaben im Netzentwicklungsplan sollen am Standort unter anderem zwei Großkondensatoren sowie Transformatoren errichtet werden. Nach Einschätzung der FREIE WÄHLER rechtfertigen diese technischen Komponenten jedoch keine 30 Hektar Fläche. „Selbst für Transformatoren und Großkondensatoren sind 300.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche nicht erforderlich. Diese Dimension ist aus unserer Sicht weiterhin überzogen und nicht schlüssig begründet", betont Gönül. Die Fraktion sieht in dem Vorhaben eine erhebliche Belastung für Landwirtschaft und Region. „Hier sollen wertvolle Flächen dauerhaft entzogen werden – ohne klar nachgewiesenen Bedarf. Das schadet unserer landwirtschaftlichen Struktur und unserer Kulturlandschaft." 

Verzögerung bis 2045 wirft weitere Fragen auf - Laut aktuellem Netzentwicklungsplan soll das Umspannwerk erst 2045 in Betrieb gehen – eine Verzögerung von rund acht Jahren gegenüber früheren Zeitplänen. Für die FREIE WÄHLER ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass der unmittelbare Bedarf nicht gegeben ist. „Wenn die Inbetriebnahme erst 2045 vorgesehen ist, stellt sich die Frage, warum jetzt mit Hochdruck Flächen in großem Umfang gesichert werden", so Gönül.

Landkäufe und Ausgleichsflächen - Besonders kritisch sehen die FREIE WÄHLER die aktuellen Grundstücksankäufe. Nach ihren Informationen sollen deutlich größere Flächen als die eigentlichen 30 Hektar gesichert werden. „Es geht nicht nur um die Fläche für das Umspannwerk selbst, sondern auch um Tausch- und Ausgleichsflächen für andere Projekte im Rhein-Main-Gebiet, etwa rund um Frankfurt, Eschborn oder Bommersheim. Das bedeutet: Unsere Region soll Flächen bereitstellen, die am Ende für ganz andere Standorte genutzt werden", erklärt Gönül. Zudem bestehe die Gefahr, dass Landwirte mit hohen Summen für Teilflächen gelockt würden, während weitere Flächen zu deutlich geringeren Konditionen veräußert werden müssten. „Hier ist größte Transparenz notwendig. Jeder Eigentümer muss genau wissen, worauf er sich einlässt." 

Energiewende ja – aber nicht um jeden Preis - Die FREIE WÄHLER betonen ausdrücklich, dass sie die Energiewende grundsätzlich unterstützen. „Wir sind nicht gegen die Energiewende. Aber wir sind gegen überdimensionierte Projekte ohne nachvollziehbare Bedarfsbegründung und gegen Intransparenz. Infrastruktur braucht Akzeptanz – und die entsteht nur durch klare, ehrliche Informationen", so Gönül. Abschließend verweist die Fraktion auf den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung: „Die Stadt Reichelsheim wird keine eigenen Flächen oder Wege an Tennet veräußern. Dieser Beschluss gilt und wird umgesetzt." Für die FREIE WÄHLER die Kernforderung bestehen: Transparenz über Bedarf, Größe und Alternativen – bevor irreversible Entscheidungen getroffen werden.



PS: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von WETTERAU.NEWS!

online werben