Die Reaktivierung der Horlofftalbahn zwischen Wölfersheim und Hungen kommt nicht zum geplanten Termin Ende 2025.
Diese wichtige Nachricht erfuhren die Mitglieder der AG Horlofftalbahn bei einem Treffen mit den Projektverantwortlichen von DB InfraGo Ende April in Hungen. Die Kernbotschaft des Treffens: 2027 wird gebaut. Bislang war die Informationslage zur Verschiebung der Reaktivierung dünn. Doch laut Projektleiter Sebastian Brieger von DB InfraGo führten mehrere Gründe dazu, dass sich der notwendige Planfeststellungsbeschluss nach hinten verschiebt. So existiert die Strecke zwar seit mehr als 125 Jahren, aber für neu zu bauende Bahnübergänge, Bahnsteige und Bahnhöfe müssen die Baupläne planfestgestellt werden. Dieser Prozess hat sich aufgrund von Einsprachen, aber auch schleppender Bearbeitung der zuständigen Behörden verzögert. Eine weitere Verzögerung verursacht ein zwischenzeitlich neu angesiedelter Biber neben der Bahnstrecke nördlich von Berstadt. Durch den Staudamm des Bibers wird der Bahndamm vernässt, was zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung des Bahndamms erfordert. DB InfraGo ist aber zuversichtlich, dass die Planfeststellung bis Herbst 2025 abgeschlossen werden kann.
Nach der Planfeststellung erfolgen die Ausschreibungen der einzelnen Leistungen sowie deren Vergabe und Beauftragung. Da auch dies Zeit benötigt, werden die notwendigen Baumaßnahmen an der Strecke voraussichtlich ab 2027 erfolgen - als kompletter Neubau auf der alten Trasse. Sollte es im Verfahren noch Klagen geben, so hoffen die Verantwortlichen dennoch, dass der Zeitplan hält. Parallel zu möglichen Klagen, die Teilbereiche betreffen, könnte trotzdem gebaut werden – sofern der Bund als Hauptfinanzier der Reaktivierung hier mitmacht. Für die AG-Mitglieder besonders wichtig waren die Lösungen für die Schrankenschließungen in Wölfersheim am Heyenheimer Weg und in Hungen in der Obertorstraße. Letzten Endes geht es darum, diese Schließungen zu optimieren und so kurz wie möglich zu halten. In Wölfersheim hat sich seit Stilllegung der Strecke die Situation insofern verändert, als auf der B455 auf der Höhe des Bahnübergangs ein Kreisel entstanden ist. Im Fall der geschlossenen Schranke sollen drei Ampeln für diese Zeit die Zufahrten in den Kreisel sperren. Einzig vom Heyenheimer Weg her gibt es keine Ampel. Einfacher Grund: Wenn sich die Schranke schließt, darf sich der Verkehr nicht auf den Bahnübergang zurückstauen. Er muss abfließen können. Deshalb muss auch der Kreisel frei sein. In diesem Zusammenhang stellte sich als noch offener Punkt die Wegeführung für die Fußgänger heraus. Insgesamt sollen durch technische Maßnahmen die Zeiten der Schrankenschließung so kurz wie möglich gehalten werden.
Was ändert sich sonst? Der Haltepunkt Berstadt-Wohnbach soll in Wölfersheim-Berstadt umbenannt werden. Außerdem entsteht hier der wichtige Kreuzungsbahnhof für die Strecke. Im Bereich des Bahnhofs wird es also zwei Gleise mit zwei Außenbahnsteigen geben. Elf von dreizehn Bahnübergängen werden erneuert und bekommen moderne Sicherungstechnik mit Ampeln und Halbschranken. Zwei Bahnübergänge entfallen. In Hungen wird der Bahnsteig verlängert, die Bahnsteige in Inheiden und Berstadt entstehen komplett neu. Ebenfalls notwendig werden Brückensanierungen, einmal kurz vor der Einfahrt in den Hungener Bahnhof und dann in Wölfersheim am Reiterweg. Jürgen Lerch (Pro Bahn & Bus): "Zur Sprache kamen auch weitere Rahmenbedingungen der Reaktivierung. So wird der Bahnhof Beienheim ab diesem Jahr komplett umgebaut. Dort sollen später die Züge von und nach Nidda automatisch mit denen von und nach Hungen/Lich an- und abkuppeln können. Damit entfällt das Umsteigen von Friedberg in Richtung Wölfersheim/Hungen und umgekehrt. Die neuen Möglichkeiten stehen dem Betrieb nächstes Jahr zur Verfügung." Michael Rückl (Wölfersheim): "Außen vor bleibt der Abschnitt Beienheim-Wölfersheim, der nicht im Projektumfang der Reaktivierung der Horlofftalbahn enthalten ist. Hier wird auch weiterhin nur Tempo 60 gefahren werden, was aber zur Erreichung der Anschlüsse in den Bahnhöfen Beienheim und Friedberg genügt. Immerhin ist die zeitgemäße Sicherung zweier Bahnübergänge in Melbach Teil der Arbeiten am Wetterauprojekt der DB.
Lahn-Kinzig-Bahn bis Ende 2026 noch mit eingeschränktem Zugangebot - Mit dem Bau elektronischer Stellwerke ändert sich auch die Sicherung und Überwachung des Betriebs. Friedberg – Hungen/Lich sowie Friedberg – Nidda sollen künftig vom elektronischen Stellwerk in Hungen überwacht werden. Das soll in 2026 kommen. Bis 2027 will die DB insgesamt im Wetterauer Netz auf diese Technik umgestellt haben. Dann gehören auch die Zugausfälle hoffentlich der Vergangenheit an, die aktuell die von der AG Horlofftalbahn sehr stark kritisierte Situation insbesondere auf der Strecke Gießen – Gelnhausen prägen. Wolfgang Macht (Hungen) resümiert: "Die AG Horlofftalbahn bewertet den Austausch mit den Verantwortlichen der DB als sehr konstruktiv und wird diesen Dialog fortsetzen."
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