Die jüngsten Eingriffe in die Ausläufer des Auwalds von Wöllstadt werfen Fragen zur nachhaltigen Gehölzpflege auf, bieten jedoch auch die Chance, den Blick auf zukunftsorientierte Methoden zu richten.
Vertreter von Pro Wöllstadt haben sich vor Ort ein Bild gemacht. Gemeinsam mit einem unabhängigen Fachmann wurden alternative Ansätze diskutiert, die sowohl die Verkehrssicherheit gewährleisten als auch wertvolle Lebensräume erhalten könnten. „Kranke Bäume hätten beispielsweise in verkehrssicherer Höhe gekappt und als Totholz belassen werden können“, erklärt Sascha Baade von Pro Wöllstadt. Solche Habitatbäume schafften Stammhöhlen, Astlöcher und Rindentaschen – Lebensräume für Fledermäuse, Spechte und zahlreiche Insektenarten. „Bis zu einem Drittel aller Waldbewohner sind direkt oder indirekt auf Totholz angewiesen“, ergänzt Christine Yazdani von Pro Wöllstadt. Beispiele aus anderen Kommunen zeigten, dass ein bewusster Umgang mit Totholz nicht nur die Artenvielfalt fördere, sondern auch den ökologischen Wert von Waldflächen langfristig steigere. Der Einsatz von schwerem Gerät hat jedoch bereits sichtbare Spuren hinterlassen. Der Boden wurde so stark beschädigt und verdichtet, dass er sich über Jahre hinweg regenerieren muss. Diese Situation lädt laut Pro Wöllstadt dazu ein, über bodenschonendere Methoden nachzudenken, die den Erhalt der Bodenstruktur und eine nachhaltige Wiederbewaldung ermöglichen. Ebenso gelte es, die Auswirkungen von erhöhter Sonneneinstrahlung und Bodenaustrocknung zu berücksichtigen, um den Regenerationsprozess zu unterstützen.
Mit Blick auf den eigentlichen Auwald geht Pro Wöllstadt noch einen Schritt weiter: Bei der zuständigen Behörde wurde dieser Tage ein Antrag eingereicht, ob der Auwald unter Naturschutz gestellt werden kann. „Unser Auwald ist ein wertvolles Ökosystem, das besser geschützt werden muss, um seine Biodiversität und seine Funktion als Lebensraum auch für spätere Generationen zu erhalten“, erklärt Oliver Kröker, ein weiterer Vertreter von Pro Wöllstadt. Der bisherige Umgang mit dem Auwald lasse kaum nachhaltige Ansätze erkennen, weshalb eine Unterschutzstellung ein dringend notwendiger Schritt sei. Die aktuellen Maßnahmen im Auwald-Ausläufer lenkten die Aufmerksamkeit auch auf den Umgang mit Gehölzbeständen in ganz Wöllstadt. Seit langem wird hinterfragt, was mit den vielen Bäumen geschehe, die in der Gemeinde gefällt würden. Zufriedenstellende Antworten gab es bislang nicht. „Aus unserer Sicht sollte Hessenforst für eine professionelle Verwertung von gefällten Bäumen eingesetzt werden. Einnahmen aus dem Holzverkauf könnten gezielt für die Wiederaufforstung genutzt werden“, so Dr. Mike Rinker von Pro Wöllstadt.
Pro Wöllstadt kündigt in diesem Zusammenhang eine Initiative für mehr Transparenz an – auch bezüglich der Bewirtschaftung im Försterwald. Es sei zudem sicherzustellen, dass die Bewirtschaftung und Pflege der Wöllstädter Gehölzbestände künftig sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Standards genügen. Man sehe in der aktuellen Situation überdies eine Gelegenheit, den Umgang mit den Wöllstädter Gehölzflächen grundsätzlich neu zu denken. „Mit achtsamen und innovativen Maßnahmen können wir nicht nur bestehende Ökosysteme erhalten, sondern sie aktiv fördern – zum Nutzen von Natur und Mensch“, betont der Gemeindevertreter Oliver Kröker. Die Gruppe will den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, Behörden und Fachleuten weiter intensivieren, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
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